"Generationenwechsel"... vor 55 Jahren, genau  genommen am 5  Juli 1970 erblickte das Vereinskartell Freilingen das Licht der Welt, wenn auch zunächst nur in Form eines losen Zusammenschlusses der Vereine ohne feste satzungsmäßige Bindung (die kam einige Jahre später). Und ausgerechnet im Jubiläumsjahr ist es gelungen, nach 25 Jahren ununterbrochener weiblich dominierter Vereinsführung einen neuen "Freiwilligen" für den nicht unbedingt begehrten Posten des 1. Vorsitzenden zu gewinnen: Peter Reiferscheid. Neu in den Vorstand wurden auf der Jahreshauptversammlung am 28. März auch Max Hierlwimmer für den scheidenden Kassierer Markus Ramers und Jana Reiferscheid als Schriftführerin gewählt, die für die ebenfalls ausscheidende Rita Ramers künftig die Protokolle führt. 

Im wahrsten Sinne eine neue Ära wurde am Freitag, 28 März bei der Jahreshauptversammlung des Vereinskartells eingeläutet, als die scheidende Vorsitzende die historischen Vereinsglocke an ihren Nachfolger Peter Reiferscheid überreichte, die Albert Luppertz 1991 gestiftet hatte, um auf den Versammlungen entsprechend für Ruhe sorgen zu können. 

"Man soll gehen, wenn die anderen einen noch ehrlich zum Bleiben überreden wollen"...so das Motto von Simone Böhm, langjährige Vorsitzende des Vereinskartells Freilingen. "Jetzt, im Jubiläumsjahr des Vereins, ist der richtige Zeitpunkt für den Wechsel an der Spitze gekommen. Ich gehe ja auch nicht ganz, da ich als zweite Vorsitzende quasi als Assistentin der Geschäftsführung zur Verfügung stehe." 

Sie hatte bereits auf der Herbstsitzung des Vereins im Oktober 2024 ihren Rückzug aus der ersten Vereins-Reihe angekündigt. Dieser Schritt kam für ihre Vereinskollegen nicht überraschend, da sie bereits in den letzten Jahren immer wieder angekündigt hatte, dass sie sich nach ihrer "Silberhochzeit" mit dem Verein aus der ersten Reihe in die hinteren Vorstandsränge zurückziehen möchte.

Zudem war die Vorstandsarbeit mehr und mehr auf andere Schultern übertragen worden. So waren in den letzten Jahren Peter und Jana Reiferscheid zum großen Teil die Organisation von Karneval und Kirmes übertragen worden, die seit der offiziellen Schließung der Gaststätte Meiershof dem Vereinskartell vor allem auch im Bereich Ausschank zugefallen war. Der 43jährige Peter Reiferscheid kann seinerseits auf eine über 20jährige Vorstandsarbeit zurückblicken, da er seit 2004 den Posten als zweiter Vorsitzender des Vereins innehat. Erfahrung ist also reichlich vorhanden.

"Das ist nicht eine Frage des Weitermachenwollens- oder könnens, sondern einfach die Notwendigkeit eines Generationenwechsels, der an der Vereinsspitze vollzogen werden sollte, bevor man abrupt eine Neubesetzung vornehmen muss, weil plötzliche Ereignisse dazu zwingen. Wir haben im Verein frühzeitig den Übergang eingeläutet, indem immer mehr Aufgaben und Verantwortung auf den bisherigen und langjährig erfahrenen stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Peter Reiferscheid übertragen wurde und der Wechsel daher jetzt relativ problemlos erfolgen kann", so die Vereinsvorsitzende zu ihrem Rückzug vom Posten der 1. Vorsitzenden.

"Das sah vor 25 Jahren bei meiner "Amtsübernahme" im Vereinskartell ganz anders aus, als ich ohne jegliche Vereinserfahrung und ohne lange Eingewöhnungsphase spontan das Amt des langjährigen Vereinskartells-Urgesteins Albert Luppertz übernommen habe". 

Dieser hatte selbst als Gründungsmitglied über Jahrzehnte als Vorsitzender die Geschicke des Vereinszusammenschlusses gelenkt. 1999 sah er sich aber gesundheitlich nicht mehr in der Lage, weiterhin dem Verein vorzusitzen. 

Und so erkläre er in der legendären Sitzung am 19.09.1999 in der 102. Zusammenkunft des Vereinskartells seinen Rücktritt aus persönlichen Gründen. Seinem Nachfolger bzw. seiner Nachfolgerin gab er mit auf den Weg, dass das Vereinskartell nicht zu führen sei wie eine Firma oder ein Betrieb, sondern eher als Familie von Vater oder Mutter mit "Herzblut". 

Diese vollzog sich dann allerdings alles andere als familiär bzw. harmonisch, da eine lautstarke Diskussion über die Neubesetzung des nach diesem Rücktritt nun vakanten Vorstandsposten entbrannte, was auch detailliert im Protokoll der Sitzung von Albert Luppertz festgehalten wurde. 

 

(Auszug aus dem Protokoll vom 19.09.1999)

Aus der Sicht der damals Neu-Gewählten stellt sich das ganze sogar noch verwirrender dar, als die Beschreibung im Protokoll vermuten lässt. 

"Nach meiner Rede als Elternvertreterin bei der offiziellen Verabschiedung von Frau Breiner als Kindergartenleiterin im Juni 1999 war ich von Seiten des Musikvereins angesprochen worden, ob ich mir die Mitarbeit im Vereinskartell vorstellen könnte. Ich wunderte mich schon etwas, dass man mich direkt als Vorsitzende aufstellen wollte, obwohl ich keinerlei Erfahrung von Vereins- geschweige denn Vorstandsarbeit hatte. Aber offensichtlich wollte niemand in die großen Fußstapfen des langjährigen Vorsitzenden Albert Luppertz treten bzw. sich zusätzlich zu den eigenen Vereinsarbeiten den Vorsitz des Vereinskartells übernehmen.

Offenbar war man in den Reihen des Musikvereins der Meinung, dass ich zumindest in der Lage sei, unterhaltsame Reden zu halten. Wieso ich mich mit Anfang 30, drei kleinen Kindern und keinerlei Vereinserfahrung für die Wahl zur Verfügung stellte, kann ich mir heute beim besten Willen auch nicht erklären. Irgendwie sind da wohl meine Gene mit mir durchgegangen (mein Großvater Josef Riethmeister hat sich ebenfalls mit großem Engagement für die Entwicklung von Freilingen eingesetzt). Letztlich haben sich dann alle irgendwie überreden lassen: ich, dass ich den Vorsitz übernehme (vielleicht auch aus Unkenntnis des Arbeitsumfangs) und die Mitgliederversammlung, dass ich gewählt werde (wahrscheinlich aus Mangel an Bewerbern für die freigewordene Stelle)". 

Ganz anders verlief dagegen die Vereinskartellssitzung am 28. März 2025, bei dem zahlreiche Vereinsvertreter und als Gast Ortsvorsteher Heinz Ramers im Mannschaftsraum der Feuerwehr zusammen kamen.

Bei den Neuwahlen wurde entsprechend der Absprachen und Vorschläge einstimmig und harmonisch gewählt. Alle neu gewählten Vorstandmitglieder nahmen die Wahl an und wurden für die Amtsübernahme bedankt. 

Als erster Vorsitzender sitzt nun Peter Reiferscheid mit der vereinseigenen Glocke dem Verein vor. Simone Böhm unterstützt ihn als zweite Vorsitzende. Max Hierlwimmer führt nun die Kasse, während sich Jana Reiferscheid um die Protokollführung kümmert. 

Im Anschluss wurde im Rahmen einer gebührenden Verabschiedung mit jeweiligen Abschiedsgeschenken Markus Ramers (bisher Kassierer) und Rita Ramers (bisher Protokollführerin) für ihr langjähriges Engagement im Vorstand im Rahmen eines kleinen Imbisses gedankt. 

Rita Ramers hatte ebenfalls im Jahr 1999 und damit ebenfalls vor über 25 Jahren ihren Vorstandsdienst aufgenommen. Bis dahin hatte sich Albert Luppertz in Personalunion mit dem Vorsitz auch um die Protokollierung der Sitzungen gekümmert. Das sollte mit dieser gesonderten Wahl aufgehoben werden. Neben der Arbeit als Schriftführerin war sie als Vorstandsmitglied aber auch bei allen Veranstaltung immer mit in der ersten Organisations- und Arbeitsreihe, vor allem bei St. Martin und dem Adventszauber. 

Markus Ramers übernahm im April 2008 im Alter von nur 21 Jahren den Posten als Geschäftsführer des Vereinskartells, den er bis zum Schluss trotz wachsender beruflicher Herausforderungen mit großem Einsatz ausübte. In diesen Jahren konnte die Finanzlage des Vereins auf stabile Füße gestellt werden und sowohl der kostenintensive Betrieb des Bürgerhauses als auch die Durchführung der verschiedenen Veranstaltungen des Vereins gesichert werden. 

Auch für die in die zweite Reihe wechselnde Vorsitzende gab es seitens ihres bisherigen Stellvertreters für ihr "25jähriges Vereinsjubiläum" gebührende Dankesworte, die diese ihrerseits an ihren Ehemann, Markus Böhm weitergab. "Ohne einen solchen Partner mit so vielen Fahrzeugen, großen Lagerkapazitäten für die Vereinsbestände und die stets selbstverständliche Mitarbeit wäre eine erfolgreiche Vorstandsarbeit nicht möglich gewesen. Für diese vielfältige Unterstützung möchte ich mich an dieser Stelle einmal ausdrücklich bedanken", meinte sie in Richtung ihres ebenfalls als Gast anwesenden Mannes. 

WiF schließt sich den vielen Dankesworten an die scheidenden Vorstandsmitglieder an und wünscht dem neuen Vorstand gutes Gelingen.

Mehr zum Vereinsjubiläum mit einem umfassenden Rückblick auf die efolgreiche Vereinsgeschichte folgt in einem späteren, gesonderten Bericht.

Kommentare (1)

  • Liebe Simone,
    du hast unglaublich viel für den Ort Freilingen und die Freilinger Vereinskultur getan. Soweit ich es beurteilen kann, warst du dabei immer mit Herzblut dabei und dein Name wird -genau wie der von Albert Luppertz- für immer mit dem Vereinskartell verbunden sein. Bei der damaligen Wahlsitzung wäre ich gerne Mäuschen gewesen!
    Danke an alle Beteiligten für die wertvolle Arbeit der letzten Jahre und dem neuen Vorstand ein glückliches Händchen und ebenso viel Herzblut und Freude an der Vereinsarbeit.
    Herzliche Grüße
    Barbara

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  • Fr 11. - So 13.04.: Theater, Saal Meiershof 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

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